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Dr. Dr. Thomas Mayer
Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Sie haben im Gegensatz zu diesen aber keine charakteristische Form. Beispielsweise existieren Weisheitszähne mit nur drei oder auch mit fünf Höckern. Auch die Anzahl der Wurzeln ist unterschiedlich. Teilweise sind die Wurzeln auch miteinander verwachsen oder hakenförmig gebogen, so dass eine Extraktion der Zähne erschwert wird.Die rohe und oft mit Sand versetzte Nahrung unserer Vorfahren führte zu einer starken Abnutzung durch Reibung der Zähne an ihren Nachbarzähnen. Nicht nur die Kauflächen nutzten sich ab, sondern die Zähne wurden auch schmaler. Dadurch entstand am Ende der Zahnreihe Platz für die im 14.-20. Lebensjahr nachwachsenden Weisheitszähne weiter...
Häufig tritt er nur unvollständig durch (Teilretention). Durch die partielle Bedeckung mit Zahnfleisch und die unzureichende Reinigungsmöglichkeit kommt es bei teilretinierten Zähnen häufig zu Entzündungen bis hin zu Abszessen.
Weisheitszähne sind auch im fortgeschrittenen Stadium nicht so stark und fest wie andere Zähne und können so schnell wegbrechen.
Weisheitszähne sind daher sehr oft ein Problem im menschlichen Gebiss, sei es durch die erschwerte Pflege, oder, weil sie die anderen in der Zahnreihe stehenden Zähne verschieben können.
Deswegen müssen Weisheitszähne sehr oft gezogen werden. Immer häufiger werden sie auch bereits vor ihrem Durchbruch operativ entfernt.
Bei der Entfernung von Weisheitszähnen handelt es sich weniger um einen zahnmedizinischen als vielmehr um einen oralchirurgischen Eingriff. In der Regel wird die Operation unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Auf Patientenwunsch kann eine Analgosedierung durchgeführt werden, oder im Fall von besonders komplizierten bzw. schmerzhaften Eingriffen kann eine Vollnarkose in Frage kommen. (siehe Kapitel Analgesie =Schmerzbekämpfung)
Häufig kommt es vor, dass der Zahn sehr fest im Kiefer sitzt. Um möglichen Schädigungen vorzubeugen, ist es nötig, den Zahn im Kiefer zu zerlegen, was auch bei Lokalanästhesie durchgeführt werden kann. weiter...
Die Öffnung schließt sich meist im Laufe der ersten Wochen nach der Behandlung. In der ersten Zeit nach der Operation ist das richtige Verhalten wichtig für eine gute Wundheilung und die Minderung der unvermeidbaren OP-Folgeerscheinungen.
In den ersten 24 Stunden kann bzw. sollte die Wunde gekühlt werden. Dies erwirkt eine geringere Schwellung. Hierzu können Coolpacks oder nasse Waschlappen bzw. Eis verwendet werden.
Nach einer Weisheitszahnoperation kann im Prinzip alles gegessen oder getrunken werden; allerdings ist darauf zu achten dass nach jeder Nahrungsaufnahme die Zähne und auch der Wundbereich vorsichtig mit einer weichen Zahnbürste geputzt wird. Es kann sonst zu Entzündungen im Wundbereich kommen, wodurch die Heilphase verlängert wird. In der Regel werden Schmerzmedikamente und gegebenenfalls ein Antibiotikum verabreicht.
Die Tage nach der Operation sollte auf Alkohol, Nikotin aber auch auf Sonnenbäder, Saunabesuche bzw. Solarium verzichtet werden. Die Empfehlung, auf Milchprodukte zu verzichten, gilt als überholt, jedoch sollte nach dem Verzehr der Mund gespült werden. Unter Umständen sollte man auch das Schnäuzen in den ersten Wochen nach der Operation vermeiden, da es durch den Druck, der dabei auf die Kieferhöhle ausgeübt wird, zu stärkeren Blutungen aus der vernähten Wunde kommen kann.
Einige Zahnärzte und Apotheker empfehlen zum schnelleren Abschwellen der geschwollenen Wange zusätzlich die Einnahme von Arnika-Präparaten. weiter...
Eine Wurzelspitzenresektion kann notwendig werden
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wenn es trotz einer korrekten orthograd – also auf dem "normalen Weg" entlang des Wurzelkanals – durchgeführten endodontischen Behandlung (Wurzelfüllung) zu Komplikationen kommt:
bei einer resorbierenden apikalen Parodontitis (röntgenologisch sieht man eine Aufhellung an der Wurzelspitze)
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wenn von vornherein eine alleinige konservative Therapie keine Erfolgsaussichten verspricht
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aufgrund:
der Ausdehnung der entzündlichen Veränderung
einer Zyste
der anatomischen Besonderheiten (z. B. Wurzelkrümmung, Ramifikationen)
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zur Entfernung abgebrochener Instrumente im Wurzelkanal
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bei Zahnfrakturen im unteren Wurzeldrittel.
Es gibt auch eine wirtschaftliche Indikation: sind die Wurzelspitzen stark gekrümmt, so ist eine Wurzelbehandlung und Wurzelfüllung orthograd also ohne Operation dennoch möglich. Allerdings erfordert dies zusätzlichen apparativen und zeitlichen Aufwand, der von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht finanziert wird.
Man hat also zu wählen zwischen einer privat zu finanzierenden orthograden Wurzelfüllung (400-800€) und einer Wurzelspitzenresektion. Nach der chirurgischen Entfernung der gekrümmten Wurzelspitzen kann dann eine herkömmliche Wurzelbehandlung erfolgen. weiter...
Die Wurzelspitzenresektion verursacht operationsbedingt einen Knochendefekt, der eine spätere Versorgung z. B. mit Implantaten beeinträchtigen kann. Angesichts der unsicheren Prognose der Wurzelspitzenresektion (80-90%) und der hohen Erfolgsrate einer implantologischen Versorgung ist gut abzuwägen, welcher Versorgung man den Vorzug gibt.
Die Kosten einer Wurzelspitzenresektion mit evtl. nachfolgender prothetischer Versorgung des Zahnes (Zahnkrone) liegen bei sorgfältigster Ausführung im Bereich einer Implantat-Versorgung. Der Masterverband Implantologie weist darauf hin und sieht nur noch eine eingeschränkte Indikation für eine Wurzelspitzenresektion.
Eine Wurzelspitzenresektion stellt häufig die letzte Möglichkeit für den Erhalt des Zahnes dar. Falls möglich, sollte einer Revision der Wurzelkanalbehandlung (Entfernen der alten Wurzelfüllung, Desinfektion und neue Wurzelfüllung) der Vorzug gegeben werden. weiter...
Generell gibt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Zahnärzten hierzu folgende Empfehlung:
"Ein Verzicht auf eine orthograde Revision und die Entscheidung für einen rein apikalchirurgischen Eingriff ist nur dann sinnvoll, wenn auf orthogradem Wege ein ausreichender Zugang in das endodontische System oder eine Verbesserung des Zustandes auf orthogradem Wege nicht möglich/wahrscheinlich erscheint."
Ungeachtet des aktuellen Stands der Wissenschaft sind im deutschsprachigen Raum Revisionen einer Wurzelbehandlung nach wie vor selten, während sich die Wurzelspitzenresektion weiterhin großer Beliebtheit erfreut. In Ländern wie den USA wird die Revision häufiger durchgeführt, da es dort in vielen Orten Fachzahnärzte für Endodontie gibt.
Nach Mobilisierung eines Zahnfleischlappens wird mit einer Kugelfräse unter Kühlung mit physiologischer Kochsalzlösung der Knochen über der Wurzelspitzenregion entfernt und der pathologische Befund entsprechend seiner Ausdehnung dargestellt. Das granulomatös entzündliche oder zystische periapikale Gewebe wird entfernt und die Wurzelspitze so weit wie erforderlich gekürzt und geglättet. Am Resektionsquerschnitt wird die Wurzelkanalfüllung auf Dichtigkeit überprüft, ggf. muss die Wurzelkanalfüllung erneuert oder eine retrograde Füllung gelegt werden.
Dank verbesserter Operationstechniken (Operationsmikroskop, Ultraschallinstrumente, mikrochirurgisches Instrumentarium) sind die Erfolgschancen deutlich verbessert worden. weiter...
Die GKV (gesetzliche Krankenversicherung) wird die Kosten der Wurzelspitzenresektion sowie der Wurzelfüllung nur übernehmen, wenn nach deren Ansicht die Behandlung "notwendig", "wirtschaftlich" und "ausreichend" ist.
Dies ist in folgenden Fällen nicht gegeben:
wenn Arbeitsaufwand und apparative Notwendigkeiten das Maß des Wirtschaftlichen übersteigen (z.B. bei instrumenteller physikalisch- chemischer Aufbreitung, geräte- und technikintensiver Wurzelfüllung, elektrometrischer Längenbestimmung, Arbeiten mit Lupenbrille oder Mikroskopie u.v.m.).
Die Kosten für die Behandlung mit einem Operationsmikroskop werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
wenn Zähne endodontisch behandelt werden, die nicht richtliniengerecht zu versorgen sind (z.B. Abfüllen bis zur apikalen Konstriktion nicht möglich wegen Kanalverschluss),
wenn der Erhalt des Zahnes von vornherein eindeutig fraglich ist (z.B. wegen kombiniert endodontisch- parodontaler Erkrankung),
wenn Molaren, die nach den Richtlinien ausgeschlossen sind, endodontisch behandelt werden sollen, z.B.
wenn keine geschlossene Zahnreihe vorliegt,
wenn nicht eine einseitige Freiendsituation vermieden wird,
wenn sich funktionsuntüchtiger Zahnersatz auf dem Molaren befindet.
Liegt einer dieser Punkte vor, so soll nach Vergaben der GKV der Zahn entfernt werden. Wünscht der Patient dennoch die Erhaltung des Zahnes, so kann er auf die Möglichkeit zurückgreifen die Behandlung privat zu finanzieren. weiter....
Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Sowohl bei der Gingivitis als auch bei der Parodontitis werden aus dem Biofilm bakterielle Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte freigesetzt, die Abwehrreaktionen des Körpers auslösen. Die Hauptrolle bei der Gewebszerstörung selbst spielt das eigene Immunsystem, das versucht, die Bakterien zu beseitigen. Diese Immunantwort besteht aus einer vielfältigen Abfolge von Aktionen und Reaktionen, bei der verschiedene Entzündungsstoffe und –zellen beteiligt sind. Unter anderem werden Enzyme gebildet, die die Bakterien zerstören sollen, jedoch auch zu einer Zerstörung von Eigengewebes führen.
Das bedingt letztlich den Verlust von Bindegewebe und Knochen. Das Ergebnis der Reaktion auf die Bakterien sind Zahnfleischbluten, Taschenbildung, Zurückgehen des Zahnfleischs und schließlich Lockerung und Verlust der Zähne.
Von den etwa 500 verschiedenen Bakterienspezies, die in der Mundhöhle vorkommen können, sind nur wenige parodontalpathogen (krankheitserregend). Diese werden auch als Hauptleitkeime bezeichnet und bilden sogenannte Cluster (Haufen), welche in ihrer Vergesellschaftung spezifisch sind. Sie sind obligat oder fakultativ anaerobe, gramnegative, schwarzpigmentierte Bakterienarten wie der so genannte Rote Komplex (Porphyromonas gingivalis, Treponema denticola und Tannerella forsythensis (Bacteroides forsythus) sowie Actinobacillus actinomycetemcomitans Subtyp B (neuerdings Aggregatibacter actinomycetemcomitans). weiter...
Obwohl das Immunsystem und die Anwesenheit bestimmter Bakterien die Hauptrolle bei der Entstehung einer Parodontitis spielen, gibt es einige Risikofaktoren, die die parodontale Gesundheit beeinflussen:
schlechte oder falsche Mundhygiene mit Plaque und Zahnstein
genetische Prädisposition (in letzter Zeit wurde durch verschiedene Fall-Studien [1], aber auch in transversalen bevölkerungsrepräsentativen Studien[2] der bis dato noch unbekannte große Einfluss genetischer Prädisposition für das Krankheitsbild der Parodontitis bewiesen. Hier zeigt sich vor allem der Einfluss von Genotyp-Varianten im Bereich der Gene IL-1α (Interleukin), IL-1β und IL-1RN (Rezeptorantagonist). Dieser Zusammenhang ist auch für das Myeloperoxidase-Gen bekannt.
Tabakkonsum: Raucher haben verglichen mit Nichtrauchern ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln.
Diabetes mellitus (insbesondere wenn der Blutzuckerspiegel schlecht eingestellt ist:
Dieser Aspekt des Diabetes mellitus ist schon seit längerem bekannt und in verschiedenen Studien[3] belegt worden.)
Lebenspartner mit bestehender Parodontitis (Ansteckung, auch von Mutter auf Kind möglich!)
Schwangerschaft:
(durch Hormonumstellung lockert das Bindegewebe auf und das Zahnfleisch schwillt an; Bakterien können leichter in die Tiefe vordringen)
Offene Zahnkaries
Mundatmung
Bruxismus (zumeist stressbedingt)
allgemeine Abwehrschwäche
unausgewogene Ernährung (früher spielte Vitaminmangel eine größere Rolle (Skorbut))
ungünstig lokalisierte Piercings (Lippe, Lippenbändchen, Zunge) weiter...
In den meisten Fällen handelt es sich um ein chronisch schubweise verlaufendes Geschehen. Dieses tritt vorwiegend bei Erwachsenen auf, ist nur selten schmerzhaft und führt, von den Betroffenen zumeist unbemerkt, erst nach Jahren zu Zahnlockerungen. Der Zahnfleischsaum bietet dabei für Bakterien einen relativen Schutz vor der Selbstreinigung der Mundhöhle durch Zunge und Speichel. Beim Gesunden garantiert das sogenannte Saumepithel durch seine Anhaftung am Schmelz eine kontinuierliche Oberfläche zwischen Zahnfleisch und Zahn.
Wird die Plaque in diesen Nischen nicht sorgfältig entfernt, greifen die Ausscheidungsprodukte der Mikroorganismen (Exotoxine) das Saumepithel an und einige Bakterien sind sogar in der Lage das Epithel zu durchwandern. Der Körper reagiert auf solche Angriffe mit der Einwanderung von Abwehrzellen aus dem Blut. Dabei bilden die neutrophilen Granulozyten und die Makrophagen einen Schutzwall gegen das weitere Vordringen von Fremdkörpern. Nach und nach werden so die Eindringlinge zerstört und verdaut ("phagozytiert "). Dabei werden verschieden Endotoxine freigesetzt. Sowohl die Exotoxine als auch die Endotoxine und einige Zerfallsprodukte der Körperabwehrzellen stellen einen Reiz dar. Um das umliegende Gewebe vor diesen Reizen zu schützen und einem Vordringen der Entzündung in die Tiefe vorzubeugen, aktiviert der Körper unter anderem Osteoklasten. Deren Aufgabe besteht im zielgerichteten Ab- und Umbau von Knochengewebe. weiter....
Bei einer guten Körperabwehr können die Mikroorganismen lange davon abgehalten werden, in die Tiefe vorzudringen. Die Kräfteverhältnisse in diesem Kampf sind jedoch sehr labil. Eine Verschlechterung der Körperabwehr, eine starke Vermehrung von Bakterien, oder eine Veränderung der Aggressivität der Mikroorganismen führt dann zu einem weiteren Fortschreiten des Entzündungsgeschehens in die Tiefe. So kommt es im Verlauf zu einem stetigen Knochenverlust, der nur durch eine vollständige Entfernung der Reize gestoppt werden kann. Auf Röntgenbildern erscheint der Knochenverlust vorwiegend horizontal, da die Osteoklasten in Ruhephasen der Entzündung das zerklüftete Knochengewebe ausformen und so an die neuen Gegebenheiten anpassen.
Aufgrund des langsamen und langen Krankheitsverlaufs wird diese Form der Entzündung als chronische Parodontitis bezeichnet.
Davon wird die aggressive Parodontitis unterschieden, welche rasch zu umfangreichem Knochenverlust führt und manchmal auch schon im Kindesalter auftritt. Darum wurde sie in der früheren Nomenklatur als juvenile Parodontitis bezeichnet. In Röntgenbildern erscheint der Knochenverlust bei diesem schnell fortschreitenden Verlauf als scharfkantiger vertikaler Krater entlang der Wurzeloberfläche, da keine Ummodellation stattgefunden hat. Als Ursachen für diese seltenere Form werden besonders aggressive Erreger und/oder eine nicht funktionierende lokale Abwehr der bakteriellen Reize diskutiert.
Da die Entzündungen in den Tiefen der parodontalen Taschen fortschreiten, ist eine Diagnose ohne zahnärztliche Hilfsmittel für Betroffene oft schwierig. weiter....
Folgende Anzeichen können auf eine Erkrankung des Zahnhalteapparates hindeuten und sollten vom Zahnarzt abgeklärt werden: Gingivitiszeichen Zahnfleischbluten Rötungen, Schwellungen und Berührungsempfindlichkeit des Zahnfleisches in aktiven Entzündungsstadien außerdem Mundgeruch (Halitose) Eiterbildung am Zahnfleisch Bei fortgeschrittenem Verlauf Zahnfleischrückgang ("die Zähne scheinen länger zu werden") Zahnlockerung/-wanderung Therapie Die Therapie besteht heute darin, den Entzündungszustand des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates zu beseitigen und Plaque und Zahnstein, sowie entzündungsfördernde Faktoren zu entfernen.
gliedert sich in verschiedene Phasen, in denen unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden können. Die erste Phase stellt eine umfassende Diagnostik dar, mit welcher Art, Schwere und Verlauf der Erkrankung bestimmt werden können. Klinisch beurteilt man den Gesamtzustand des Gebisses, die Zahnlockerung, die Tiefe der Taschen (Sondierungstiefe) den Zahnfleisch-Rückgang und die Mundhygiene des Patienten. Außerdem wird durch Röntgenaufnahmen der Knochenverlauf festgestellt. In manchen Fällen werden ergänzend mikrobiologische (Nachweis bestimmter parodontalpathogener Bakterien) oder genetische (Nachweis einer genetischen Veranlagung) Tests durchgeführt. weiter....
Auch eine Überweisung zum Allgemeinmediziner zum Ausschluss einer systemischen Erkrankung (Diabetes, HIV, Leukämie etc.) kann nötig sein. Anschließend werden in der sogenannten Hygienephase alle supragingival (oberhalb des Zahnfleischrandes) gelegenen harten und weichen Beläge entfernt (professionelle Zahnreinigung, PZR). Dabei wird dem Patienten auch gezeigt, wie er zu Hause eine optimale Zahnpflege betreiben kann. Dieser Vorgang muss zumeist mindestens einmal wiederholt werden (die gesetzlichen Krankenkassen verlangen drei Sitzungen im Abstand von etwa einer Woche), außerdem müssen in dieser Phase bei Bedarf Füllungen oder Wurzelfüllungen gelegt oder erneuert werden, nicht erhaltungswürdige Zähne gezogen werden. Dadurch können weitere Bakterienherde in der Mundhöhle eliminiert werden. Durch verschiedene Spülflüssigkeiten oder Medikamente kann ebenfalls das Bakterienwachstum kontrolliert und verringert werden. Allein durch diese Hygienemaßnahmen kann bei vielen Betroffenen schon eine merkliche Besserung erreicht werden.
Im Anschluss beginnt bei Bedarf die sogenannte geschlossene Behandlungsphase, bei der die subgingival (unterhalb des Zahnfleischrandes) liegenden harten und weichen Beläge entfernt werden (geschlossene Kürettage). Dies geschieht mit Küretten (speziell geformte Handinstrumente) oder mit ultraschallbetriebenen Geräten. Nach zwei bis drei Wochen Heilungszeit wird das Ergebnis dieser Behandlung kontrolliert, in dem erneut die Sondierungstiefen gemessen werden und wenn nötig die Maßnahmen an einzelnen Stellen wiederholt werden. weiter....
Bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen (> 6 mm), welche durch die Hygienemaßnahmen und die geschlossene Behandlung nicht ausreichend zurückgegangen sind, kann es notwendig sein, in die offene Behandlungsphase überzugehen. Dabei werden die Bereiche chirurgisch eröffnet damit unter Sicht die Maßnahmen der geschlossenen Behandlung wiederholt werden können. In diesem Fall ist es zum Teil auch möglich, eröffnete und gesäuberte Knochentaschen mit Knochenersatzmaterialien (Guided Bone Regeneration, GBR) aufzufüllen oder mit Membranen abzudecken (Guided Tissue Regeneration, GTR). Unter bestimmten Voraussetzungen (aggressive, schnell verlaufende Formen der Parodontitis) ist es sinnvoll, die Behandlung durch die Anwendung von Antibiotika zu ergänzen.
In einer Schweizer Feldstudie konnten mikrobiologisch fünf parodontale Typen (Vergesellschaftungen von Bakterien) nachgewiesen werden, welche verschieden zu therapieren sind: bei drei Typen genügte eine Kürettage, bei zwei Typen mussten zusätzlich noch bestimmte Antibiotika verabreicht werden. Diese können in Tablettenform (systemisch) gegeben werden oder sie werden direkt in die Zahnfleischtasche eingebracht. In beiden Fällen ist es von Vorteil, vorher eine Keimbestimmung durchzuführen, damit man zielgerichteter behandelt. Es macht allerdings keinen Sinn, die Infektion nur mit Antibiotika therapieren zu wollen, ohne die Zähne vorher zu reinigen. Die Bakterien sind in ihrem Biofilm vor der Einwirkung durch das antibiotische Medikament fast vollkommen geschützt. Erst durch die Zerstörung des Biofilmes werden die Bakterien für die Antibiotika zugängig. weiter....
Rechtzeitig und richtig behandelt kann einer Parodontitis fast immer Einhalt geboten werden, allerdings ist diese Behandlung zum Teil sehr langwierig und immer stark von der Mitarbeit des Patienten abhängig.
Da die Parodontitis ein Ausdruck eines erfolgreichen bakteriellen Angriffs gegen die einst intakte Grenze Zahn - Zahnfleisch ist, muss sich jeder Betroffene auch darüber im klaren sein, dass selbst nach erfolgreicher Beseitigung dieser Entzündung die Gefahr des Rückfalls fortbesteht.
Darum ist auch nach Beendigung der eigentlichen Therapie eine regelmäßige Nachsorge nötig, um einem erneuten Aufflammen der Entzündung frühestmöglich entgegenzuwirken.
Unbehandelt führt die Parodontitis fast immer zu Zahnverlust und daraus folgend zu ästhetischen und funktionellen Beeinträchtigungen. weiter....
Außerdem ist Parodontitis ein Risikofaktor für allgemeinmedizinische Erkrankungen. So gilt ein Zusammenhang zwischen parodontalen Erkrankungen und dem erhöhten Risiko für das Auftreten von Herzinfarkten und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises als wissenschaftlich gesichert. In neueren Untersuchungen konnte außerdem gezeigt werden, dass eine unbehandelte Parodontitis das Risiko von Fehl- und Frühgeburten um das Siebenfache steigert und auch ein niedriges Geburtsgewicht ursächlich mit einer Parodontitis zusammenhängen kann. Die Folgen des Zahnverlustes, vor allem die zum Teil sehr kostenintensiven prothetischen Maßnahmen, welche sich oft an eine parodontologische Behandlung anschließen, sowie die Kenntnis der allgemeinmedizinischen Zusammenhänge haben zur Folge, dass der Diagnose, Behandlung und vor allem der Vorbeugung dieser Erkrankung eine immer größer werdende Bedeutung zugesprochen wird
. Parodontitis ist eine "Volkskrankheit", fast jeder ist im Laufe seines Lebens irgendwann mehr oder weniger stark betroffen. Bei den über 40-jährigen gehen mehr Zähne durch Parodontitis verloren als durch Karies. weiter....
Um einer Parodontitis oder ihrem Wiederaufflammen vorzubeugen, ist es am wichtigsten, eine gründliche Parodontitis-Prophylaxe zu betreiben.
Neben dem eigentlichen Zähneputzen sollte auf eine gute Zahnzwischenraumpflege und eine Entfernung von Belägen auf dem Zungenrücken geachtet werden.
Durch eine regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt in Verbindung mit einer professionellen Zahnreinigung alle 3-6 Monate können außerdem Putznischen gesäubert werden und Hilfestellungen bei der häuslichen Mundhygiene gegeben werden
Bei erhöhtem Risiko, zum Beispiel durch eine Schwangerschaft oder starken Stress, können die Prophylaxeintervalle auch verkürzt werden, um frühestmöglich auf Veränderungen des Parodonts reagieren zu können.
Daneben ist es wichtig, die oben genannten Risikofaktoren zu minimieren (z. B. mit dem Rauchen aufhören, Diabetes richtig einstellen lassen). weiter...
Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben zum 1. Januar 2004 die Parodontal-behandlung neu organisiert. Damit sollen die Früherkennung von Parodontalerkrankungen gefördert und gleichzeitig der Patient zu verstärkten Eigenleistung animiert werden. Die Idee dabei war, dass eine gute Mundhygiene als beste Prophylaxe vom Patienten selbst sichergestellt werden soll.
Die BEMA-Ziffer 04 wurde neu in den Leistungskatalog aufgenommen: 1x alle zwei Kalenderjahre ist die Erstellung eines Parodontalen Screening-Indexes (PSI) zu Lasten der Krankenkasse abrechenbar. Die BEMA-Ziffer 04 ist eine Ausnahmeleistung, hierfür wird die Praxisgebühr nicht fällig.
Auf der anderen Seite kann seither die Entfernung des Zahnsteins (BEMA-Ziffer 107) im Rahmen der GKV nur noch einmal im Jahr abgerechnet werden (vorher 3x im Jahr).
Stattdessen sollen Patienten bei Bedarf Prophylaxesitzungen beim Zahnarzt privat zahlen, die Höhe der Kosten ist von Praxis zu Praxis unterschiedlich. weiter....
Um für eine Parodontitistherapie die Kostenzusage durch eine Krankenkasse zu erhalten, verlangt diese eine einwandfreie Mundhygiene. Diese soll durch mindestens drei Mundhygienesitzungen beim Zahnarzt sichergestellt werden (Privatleistung des Patienten). Außerdem soll während dieser Vorbehandlungphase das Gebiss in einen Zustand gebracht werden, den der Patient sauber halten kann.
Dazu müssen alle nötigen chirurgischen, konservierenden und prothetischen Eingriffe stattfinden, zum Beispiel Extraktion nicht erhaltungswürdiger Zähne, Füllungen und Wurzelfüllungen, Umarbeitung von altem Zahnersatz.
Erst im Anschluss kann die eigentliche Parodontitisbehandlung beginnen, welche die Krankenkassen im eingeschränkten Umfang der Richtlinien bezahlt.
Eventuell nötige Zusatzleistungen wie professionelle Zahnreinigungen (PZR), häufigere Zahnsteinentfernungen, Auffüllung von Knochendefekten oder die Bestimmung der Bakterienarten oder des genetischen Risikos muss der gesetzlich versicherte Patient selbst tragen.